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Eishalle, Mitternacht

von A. M. Blackwood

Hot - Moderate Szenen
Sport Romance · München, Eishalle der Frostwölfe

Sie kümmert sich um sein Sprunggelenk. Er um seine Mauer. Lara kommt nach München, um neu anzufangen. Niklas ist der schweigsame Assistenzkapitän mit der zertrümmerten Saison – und einem Ehrgeiz, der sich an keinen Reha-Plan hält. Zwischen Behandlungsbank und Mitternachts-Eis wird aus zwei Fremden etwas, das beide ihren Job kosten könnte.

Enthält sinnliche Szenen

Inhaltshinweise
  • Sportverletzung und Reha
  • Beziehung zwischen Physiotherapeutin und Patient (Berufsethik)
  • explizite Liebesszenen
Umfang
10 Kapitelca. 26.000 Wörter
Format
PDF, ePub+ online lesen
Roman
Abgeschlossenauf Deutsch
Zugang
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Leseprobe

Lies hinein

Das erste Kapitel – komplett und kostenlos.

Kapitel 1

Erste Schicht

LARA

Die Halle riecht nach Eis.

Nicht wie ich es mir vorgestellt habe – nicht nach Schweiß und Bier und der trockenen Wärme einer Sporthalle. Sondern nach Kälte. Eine spezifische, präzise Kälte, die in der Nase brennt und auf der Zunge schmeckt, wenn man durchatmet. Darunter etwas Metallisches. Schlittschuhe vermutlich, Klingen, die gerade geschliffen wurden.

Ich stehe in der unteren Etage des Eisstadions am Olympiapark und versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben an einem Ort bin, der so klingt wie ein Kühlschrank, der atmet.

„Frau Helmig?“

Die Stimme kommt von links. Ein Mann Mitte vierzig, kurzes graues Haar, ein Trainingsanzug in Vereinsfarben. Dunkelblau mit einem weißen Wolfskopf-Logo auf der Brust. Frostwölfe. Ich habe mir die Farben extra zwei Tage lang angeschaut, damit ich heute nicht wie eine Anfängerin wirke.

„Ja“, sage ich und gebe ihm die Hand. „Lara Helmig.“

„Frederik Tomas. Reha-Leiter.“ Sein Händedruck ist trocken und fest. „Willkommen bei den Frostwölfen. Komm mit, ich zeig dir den Reha-Bereich.“

Ich folge ihm durch einen Flur, der nach Eis und Linoleum riecht. An den Wänden hängen gerahmte Trikots, Pokale aus den letzten zwei Jahrzehnten, vergrößerte Schwarz-Weiß-Fotos von Spielern, die jubeln oder bluten. Ich versuche, mir die Namen einzuprägen. Yuri Sokolov, der Goalie. Lukas Felber, der Stürmer. Jemand mit dem Nachnamen Brand, der dreimal mit der Trophäe abgebildet ist.

Brand. Niklas Brand. Assistenzkapitän. Rechtes Sprunggelenk, als Kind falsch verheilt und nie sauber therapiert, zwanzig Jahre lang vom Körper still kompensiert. Diese Saison kompensiert er nicht mehr: zwei Spiele mit Aussetzern, dann raus aus dem Spielbetrieb. Eine Reha, an die er sich nicht hält. Fast ein Karriereknick. Ich kenne jeden Punkt seiner Akte, weil sie auf meinem Schreibtisch lag, als ich heute Morgen um Viertel vor acht eintraf.

„Du wirst hauptsächlich mit der zweiten Mannschaft arbeiten“, sagt Frederik im Gehen. „Aber wir haben drei Spieler aus der ersten in der Reha. Du übernimmst zwei davon. Ab Donnerstag ganz allein – da werde ich in Garmisch an der Schulter operiert, danach Reha-Klinik. Deshalb bist du hier.“

„Wen?“

„Sokolov. Schulter-OP, fast durch. Routine. Und Brand.“

Ich nicke. Ohne aufzusehen. Brand. Mein Magen macht etwas, das ich nicht erklären kann.

„Wo ist der Brand?“, frage ich. Beiläufig.

Frederik bleibt stehen. Sieht mich an mit diesem Ausdruck, den ich kenne – halb amüsiert, halb mitleidig. Den Ausdruck, den Erfahrene aufsetzen, wenn sie wissen, dass jemand gleich in ein kaltes Becken springen wird.

„Das ist die Frage, die wir uns auch alle stellen, Lara.“

Der Reha-Bereich ist das, was ich gehofft habe. Hell, funktional, mit zwei Behandlungsräumen, einem kleinen Trainingsbereich mit Geräten, einer Eis-Tonne in der Ecke und einer Massage-Liege, die schon bessere Tage gesehen hat. An der Wand ein Whiteboard mit Trainingsplänen, kreuzweise mit roten und blauen Linien beschriftet. Die Schrift ist eckig, eilig, überall durchgestrichen und neu geschrieben.

„Und das ist die Chefin.“ Frederik zeigt auf eine Frau, die an einem Schreibtisch sitzt und an einem Laptop arbeitet. Mitte dreißig, dunkles Haar zu einem strengen Knoten gebunden, ein paar Sommersprossen. Dr. Saskia Kraus. Ihre Praxis in der Stadt betreibt den Reha-Bereich für den Verein, ihre Unterschrift steht unter meinem Arbeitsvertrag, ihre Stimme kenne ich aus zwei Videogesprächen. „Sie zeigt dir die Patientendaten.“

Saskia steht auf, gibt mir die Hand. Ihr Lächeln ist müde, aber nicht unfreundlich.

„Schön, dich endlich in echt zu sehen“, sagt sie. „Wir brauchen dringend Verstärkung. Die letzten beiden, die hier waren, haben es nicht ausgehalten.“

„Warum nicht?“

„Saison läuft. Spieler sind launisch. Trainer ist –“ Sie hält inne. Sucht nach dem Wort.

„Olivier Garnier“, sagt Frederik. „Französisch-deutscher Mix. Redet wenig, meint alles. Mit etwas Glück begegnet er dir die ersten Wochen nur aus der Ferne.“

„Verstanden.“

Saskia setzt sich wieder. „Komm her. Ich zeig dir das System.“

Wir verbringen die nächste Stunde mit Akten. Mit Zeitplänen. Mit dem digitalen System, das die Reha-Sessions trackt, die Fortschritte der Spieler dokumentiert, die Trainerstäbe über Verfügbarkeiten informiert. Es ist eine seltsame Mischung aus Krankenhaus und Sportverein. Klare Hierarchien, gleichzeitig eine merkwürdige Familiarität.

„Sokolov ist heute um zehn“, sagt Saskia. „Brand sollte um elf kommen, aber –“

„Aber?“

„Brand kommt selten zu seinen vereinbarten Terminen. Er kommt, wann er will. Er macht, was er will. Und Garnier lässt ihn, weil Brand der Einzige ist, der das Team zusammenhält.“

Ich klappe den Laptop zu. Lege die Stirn in die Hand für einen Moment.

Du wolltest neu anfangen, Lara. Das hier wird nicht ruhig.

Aber das hat es ja auch nie sein sollen. Ich bin zurück nach München gezogen, weil mein letzter Job in Berlin in einem Schlamassel geendet ist, den ich mir selbst eingebrockt habe und der an mir hängen geblieben ist. Ich brauche Arbeit, die mich beansprucht. Etwas, das mich daran hindert, abends auf meinem Sofa zu sitzen und über die Vergangenheit nachzudenken.

Hockey klingt anstrengend genug.

Sokolov ist freundlich. Riesig, blond, mit einem akzentschweren Deutsch und Augen, die in der Eishallen-Beleuchtung wie Wasser aussehen. Er erzählt mir von seiner Schulter, von den Bowling-Wochenenden, die er deswegen verpasst, von seiner Frau, die wegen der OP genervt ist. Er ist kein schwieriger Patient. Wir lachen zweimal während der vierzig Minuten.

Als er geht, ist es zehn vor elf.

Ich räume die Behandlungsbank ab, wische sie ab, lege ein neues Laken auf. Ich putze meine Hände. Ich öffne Brands Akte noch einmal auf dem Tablet, obwohl ich sie auswendig kenne. Ich tue Dinge, weil ich nicht stillstehen kann.

Elf. Niemand kommt.

Fünf nach elf. Niemand.

Zehn nach elf. Saskia kommt rein, zuckt die Schultern. „Ich sag's ja.“

Viertel nach elf. Ich gehe in die kleine Küche neben dem Behandlungsraum, hole mir Wasser. Auf dem Rückweg höre ich Stimmen aus dem Trainingsbereich. Männerstimmen, leise, eine davon ärgerlich.

Ich gehe um die Ecke.

In dem Raum mit den Geräten, an der Beinpresse, sitzt ein Mann in Hockey-Trainingsausrüstung. Schwarze Shorts, dunkles T-Shirt mit dem Wolfskopf, am rechten Bein eine Orthese, die das Sprunggelenk stützt wie ein Skelett aus Gummi und Kunststoff. Er ist groß, das sehe ich auf den ersten Blick – breite Schultern, Oberkörper wie aus dem Fitness-Studio nebenan, aber das Schöne an einem Hockey-Spieler ist, dass es kein eitler Body ist. Es ist ein Arbeits-Körper, asymmetrisch, mit kleinen Narben an den Unterarmen und einer Linie über der Augenbraue.

Sein Gesicht: kantiger Kiefer, dunkle Augen, ein Mund, der gerade etwas zu Frederik sagt, das nicht freundlich klingt.

Er sieht hoch. Sieht mich. Hört auf zu reden.

Ich erkenne ihn aus den Fotos. Niklas Brand.

„Du bist die Neue“, sagt er. Keine Frage.

„Ich bin Lara Helmig“, sage ich. „Ich war deine Behandlung um elf.“

„Es ist Viertel nach.“

„Ich weiß.“

Er hebt eine Augenbraue. Ein winziger Zentimeter, mehr nicht. Aber es reicht, damit ich verstehe: Er will eine Reaktion. Eine Entschuldigung, eine Erklärung, eine Anpassung an seine Welt, in der er offenbar gewohnt ist, dass alle sich nach ihm richten.

Ich verschränke die Arme nicht. Lehne mich nicht. Ich stehe einfach dort und sehe ihn an.

„Wir können auch jetzt anfangen, wenn du willst“, sage ich.

Er schaut zu Frederik. Frederik zieht die Schultern hoch, eine Geste, die heißt: Sieh selbst.

Brand schiebt sich von der Beinpresse hoch. Langsam, wie jemand, der weiß, dass seine Bewegungen registriert werden – von ihm selbst, von seinem Körper, von den Menschen um ihn herum. Er ist mindestens einsneunzig. Aus der Nähe ist er größer, als ich auf den Fotos gedacht hätte. Er greift nach einem Handtuch, wirft es sich um den Nacken.

„Ich hatte schon angefangen“, sagt er. Und es ist klar, dass das eine Information ist, keine Entschuldigung.

„Du sollst aber nicht eigenständig trainieren. Steht in der Akte.“

„Steht da.“

Wir sehen uns an. Ein paar Sekunden, in denen sich nichts bewegt außer dem Lüfter in der Decke und dem leisen Klacken eines Geräts, das jemand woanders hinstellt.

„Ich behandle nicht, wenn der Patient seine Ruhephasen ignoriert“, sage ich. Es kommt aus mir heraus, bevor ich nachdenke. „Das ist meine Regel. Wenn du das nicht willst, sag es Frederik, dann übernimmt Saskia.“

Etwas geht durch sein Gesicht. Schnell, kaum sichtbar. Vielleicht Überraschung. Vielleicht etwas anderes. Es ist weg, bevor ich es einordnen kann.

„Saskia hat genug“, sagt Frederik leise, als würde er nicht eingreifen, sondern eine Tatsache ergänzen.

„Dann keine Reha“, sagt Brand.

„Dann keine Reha“, wiederhole ich.

Er macht einen Schritt in meine Richtung. Nicht aggressiv. Nur näher. Aus einer Distanz, in der ich seine Augen sehen kann – braun, mit einem feinen grünen Ring um die Iris, mit Schatten darunter, die nicht von der Müdigkeit eines Tages kommen, sondern von wahrscheinlich Wochen schlechtem Schlaf.

„Du warst dreieinhalb Stunden hier“, sagt er. „Und hast schon eine Regel?“

„Ich war dreieinhalb Stunden hier. Und du bist seit Wochen in einer Reha, die offenbar niemand durchsetzt. Das ist meine Regel, ja. Aber sie ist auch deine, falls du wieder spielen willst.“

Stille.

Frederik macht ein Geräusch, das wie ein Räuspern klingt.

Brand sieht mich noch einen Moment lang an. Dann nickt er. Einmal, knapp.

„In Ordnung.“

Er geht. Mit dem Handtuch um den Nacken, ohne das Gerät zu benutzen, ohne in den Behandlungsraum zu kommen, ohne ein weiteres Wort. Sein Gang ist asymmetrisch, das rechte Bein leicht steifer als das linke, aber er versteckt es gut. Wenn man nicht wüsste, was unter der Orthese liegt, würde man es kaum sehen.

Er verschwindet im Flur.

Frederik atmet aus, ein langer, leiser Atemzug.

„Das war interessant“, sagt er.

„Was?“

„Er ist gegangen, ohne zu schreien. Glaub mir, das ist eine Verbesserung.“

„Hat er –“

„Komm.“ Frederik klopft mir auf die Schulter. „Mittag. Dann erkläre ich dir, was du dir gerade angelacht hast.“

Die Kantine des Eisstadions ist klein, zweckmäßig, riecht nach Bratensoße und Kaffee. Wir sitzen an einem Tisch in der Ecke. Frederik vor seinem Schnitzel, ich vor einem Salat, den ich nicht wirklich essen will. Mein Magen fühlt sich noch an wie nach einem Fahrradunfall. Vibrierend, warm, leicht durcheinander.

„Niklas Brand“, sagt Frederik und schiebt sich eine Gabel Pommes in den Mund. „Assistenzkapitän seit drei Saisons. Rechtes Sprunggelenk, als Kind gebrochen, falsch verheilt, nie ordentlich therapiert. Zwanzig Jahre lang hat sein Körper das still ausgeglichen. Diese Saison ist Schluss damit – zwei Spiele in Folge mit Aussetzern, zuletzt gegen Köln. Wir haben ihn aus dem Spielbetrieb genommen.“

„Und seitdem ist er –“

„Schwierig.“ Frederik sucht das Wort. „Nicht arrogant. Nicht wirklich. Aber er lebt seit Wochen mit der Vorstellung, dass seine Karriere an einem Kinderknöchel enden könnte. Und solange er nicht spielt, weiß er nicht mehr, wer er ist. Verstehst du?“

„Hm.“

„Er wird immer Sport treiben. Er kann nicht anders. Wir können ihn nicht festschnallen. Aber er hört nicht auf den Reha-Plan. Er hat seinen eigenen. Und der ist zu hart.“

„Warum lasst ihr ihn dann?“

„Weil er Brand ist. Weil er drei Werbeverträge hat, die mehr wert sind als das halbe Reha-Team. Weil Garnier lieber einen verletzten Brand in der Halle hat als einen gesunden Brand, der weg ist.“

Ich rühre in meinem Salat. Schiebe eine Tomate von einer Seite auf die andere.

„Du willst mir damit was sagen“, sage ich.

Frederik lächelt. Ein altes, warmes Lächeln. Der Mann ist Vater, vermutlich. Er hat diese Geduld.

„Ich will dir sagen: was du heute gemacht hast – diese Regel –, die wird er entweder akzeptieren, oder er wird zwei Wochen lang versuchen, sie zu unterlaufen. Aber wenn du standhältst, hast du ihn. Und ich rede nicht von einem Patienten, der zur Therapie kommt. Ich rede von dem ersten Reha-Erfolg, den dieser Verein in zwei Jahren haben könnte.“

„Kein Druck.“

„Ein bisschen Druck.“

Wir essen schweigend. Auf einem Bildschirm an der Wand läuft Sport-News, tonlos. Eishockey, dann Fußball, dann wieder Eishockey. Niklas Brand erscheint im Bild für einen Sekundenbruchteil – ein Foto, das so aussieht, als wäre es zwei Jahre alt, in voller Ausrüstung, mit erhobenem Schläger nach einem Tor. Sein Mund ist offen. Er schreit etwas, das ich nicht hören kann.

Dann ist er weg.

Am Abend, kurz vor halb neun, schließe ich den Reha-Bereich ab.

Saskia ist schon weg. Frederik auch. Nur ich noch da, weil ich Akten nachgepflegt habe, weil ich mein neues Schloss noch ausprobieren musste, weil ich nicht direkt nach Hause wollte. Meine Wohnung – eine Drei-Zimmer am Hohenzollernplatz, mit einer Heizung, die rasselt, und Wänden, die zu weiß sind – ist noch nicht meine. Sie ist ein Mietvertrag mit Möbeln drin. Es wird Wochen dauern, bis sie sich anfühlt wie Zuhause.

Ich gehe durch den Flur Richtung Ausgang. Vorbei an der Kabine der ersten Mannschaft. Vorbei am Trainingsraum. Vorbei an einem Seitengang, von dem ich noch nicht weiß, wohin er führt.

Auf einem der Plakate an der Wand: Brand. Wieder dieses Lächeln, das er heute nicht hatte. Im Trikot, mit dem A des Assistenzkapitäns über dem Herzen, dem Schläger leicht aufgesetzt. Jemand hat in der Bildunterschrift seinen Namen falsch gedruckt – „Brand, Nicolas“ statt „Niklas“. Ich weiß nicht, warum mir das auffällt. Es fällt mir auf.

Als ich aus dem Stadion trete, ist die Münchner Luft kalt und klar. Ende Oktober. Die Saison läuft auf Hochtouren. Die Bäume im Olympiapark riechen schon nach Winter.

Mein Handy vibriert. Mama. Eine Nachricht: Wie war dein erster Tag, Schatz?

Ich tippe und lösche dreimal, bevor ich antworte: Anstrengend. Aber okay.

Drei Punkte, sie tippt zurück. Dann:

Kopf hoch, Mädchen. Berlin ist vorbei. Du darfst neu anfangen.

Ich atme aus. Stecke das Handy weg. Gehe zur U-Bahn.

Auf dem Weg fällt mir ein, dass ich morgen früh um neun mit Sokolov anfangen werde. Und dann um elf – wenn er kommt – mit Brand. Falls er kommt.

Falls er nicht kommt, werde ich Frederik fragen, was ich tun soll.

Falls er kommt, werde ich Frederik nicht fragen müssen.

Ich fühle, wie sich in meinem Brustkorb etwas zusammenzieht. Nicht unangenehm. Eher wie eine Vorfreude, die nicht einzuordnen ist – nicht gut, nicht schlecht, einfach da.

Du bist hier, um zu arbeiten, Lara.

Das sage ich mir auf der gesamten U-Bahn-Fahrt. Auf den Treppen zur Wohnung. Beim Aufschließen meiner neuen Tür.

Drinnen rieche ich Karton und neuen Boden. Ich habe meine Möbel erst zur Hälfte ausgepackt. Das Bett steht. Der Kühlschrank ist halb leer. Im Wohnzimmer ein Sessel, aus dem Karton herausragend wie der Kopf eines Tiers, das nicht ganz aufwachen will.

Ich setze mich auf den Boden. Mit dem Rücken gegen das Sofa, das noch in Folie steckt. Schließe die Augen.

In meinem Kopf: ein Mann, der seine Beinpresse alleine bedient hat. Eine Stimme, die nichts erwartete und gleichzeitig alles. Augen, die müder waren als alles, was ich in einem Hockey-Profi hätte erwarten dürfen.

Ich habe heute zum ersten Mal seit drei Monaten gesagt: Das ist meine Regel.

Und es hat sich angefühlt, als hätte ich mir selbst dabei zugehört.

Niklas Brand. Assistenzkapitän. Schwierig.

Pass auf, Lara.

Aber ich passe seit zehn Jahren auf. Ich habe es satt.

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