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Lass mich nicht los

von A. M. Blackwood

Hot - Moderate Szenen
Dark Romance · Bergsee, Ferienhaus in den Alpen
BondageEstablished RelationshipEmotional Healing

Band 2 der fesselnden Trilogie um Yvonne und John Sie wollte alles. Er hat alles versprochen. Zurück am Bergsee entdecken Yvonne und John, dass Vertrauen tiefer geht als jedes Seil – und dass die Vergangenheit mitgereist ist. Zehn Tage, ein Name von früher, und ein Versprechen: Lass mich nicht los.

Dark Romance mit expliziten Szenen · Ab 18

Inhaltshinweise
  • Bondage/BDSM (einvernehmlich)
  • Verarbeitung einer früheren toxischen Beziehung
  • explizite Liebesszenen
Umfang
10 Kapitelca. 21.000 Wörter
Format
PDF, ePub+ online lesen
Roman
Abgeschlossenauf Deutsch
Zugang
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Leseprobe

Lies hinein

Das erste Kapitel – komplett und kostenlos.

Kapitel 1

Die Hochzeit

YVONNE

Lena weint.

Nicht das schöne, dezente Weinen aus den Filmen. Das echte Weinen. Das mit roter Nase und verschmierter Mascara und einem Schluckauf, der klingt wie ein erschrockener Frosch.

„Ich heirate“, schluchzt sie. „Ich heirate wirklich.“

„Du heiratest wirklich“, sage ich. Halte sie fest. Streichle ihr über den Rücken. Mein Kleid wird nass von ihren Tränen, aber das ist okay. Dafür sind beste Freundinnen da.

Wir stehen auf dem Hotelbalkon. Letzter Abend des JGA. Morgen fliegen die Mädels zurück nach Deutschland. Morgen endet das Chaos aus Cocktails und Karaoke und Lenas Reden, von denen es inzwischen sieben gibt.

Und morgen fahren John und ich zum See.

Der Gedanke sitzt unter meiner Haut wie ein Summen. Leise, konstant, unmöglich zu ignorieren. Seit wir es beschlossen haben, vor zwei Nächten auf diesem Balkon, ist es da. In jedem Blick, den wir tauschen. In jeder zufälligen Berührung. In der Art, wie er mich ansieht, wenn er denkt, ich bemerke es nicht.

Alles, habe ich gesagt. Diesmal will ich alles.

Und er hat alles gesagt. Leise. Wie ein Versprechen, das man nur im Dunkeln macht.

Lena löst sich von mir. Wischt sich die Augen. Schaut mich an.

„Du fährst morgen mit ihm zurück.“

Es ist keine Frage.

„Ja.“

„Zum See.“

„Ja.“

„Allein.“

„Ja, Lena.“

Sie mustert mich. Ihre Augen sind rot, aber der Blick dahinter ist scharf. Lena sieht immer alles. Selbst betrunken, selbst verheult, selbst mit Tüllschleier im Haar.

„Du siehst anders aus“, sagt sie.

„Wie?“

„Wie jemand, der aufgehört hat, sich zu verstecken.“

Die Worte treffen. Nicht schmerzhaft. Tief. An einer Stelle, die ich lange zugedeckt hatte.

„Ist das gut?“, frage ich.

„Das ist das Beste, was ich je an dir gesehen habe.“ Sie nimmt mein Gesicht in beide Hände. Lenas Hände, die riechen nach Sonnencreme und Prosecco. „Yvonne. Was auch immer zwischen euch passiert – es steht dir gut. Du leuchtest.“

Ich schlucke. Meine Augen brennen.

„Und jetzt erzähl mir ALLES“, sagt sie. „Ich meine es ernst. Von Anfang an. Jedes Detail.“

„Lena –“

„JEDES DETAIL.“

Um sechs Uhr morgens klingelt mein Wecker. Mein Kopf brummt. Zu viel Wein. Zu wenig Schlaf. Zu viel Lena, die bis zwei Uhr nachts Fragen gestellt hat, die mich abwechselnd zum Lachen und zum Erröten gebracht haben.

Ich stehe auf. Dusche. Ziehe mich an. Jeans, ein Top, meine weißen Sneakers. Kein Blazer diesmal, keine Maske.

Im Spiegel sehe ich eine Frau, die ich vor einer Woche nicht erkannt hätte. Braune Haut vom Meer. Haare, die salzverkrustet und wild sind. Augen, die leuchten. Lena hat recht. Etwas hat sich verändert.

Nicht etwas. Jemand.

John wartet unten. Der Landrover steht vor dem Hotel, Motor aus, Fenster offen. Er lehnt an der Fahrertür. Er trägt ein weißes T-Shirt zu Jeans, die Sonnenbrille ins Haar geschoben, die Arme verschränkt. Und da ist es wieder, dieses Grübchen.

„Bereit?“, fragt er.

Zum dritten Mal diese Frage. Beim ersten Mal, vor der Tür seines Zimmers, war die Antwort Nervosität. Beim zweiten Mal, vor dem Hotel in Split, war es Trauer. Jetzt ist es etwas anderes.

„Bereit“, sage ich. Und meine es.

Er nimmt meine Tasche. Ich steige ein. Der Landrover riecht immer noch nach Leder. Nach ihm. Nach Erinnerungen, die sich in die Sitze gebrannt haben.

Der Motor startet. Split gleitet an uns vorbei. Die Morgensonne liegt auf den weißen Häusern. Das Meer glänzt. Möwen schreien.

„Wie lange bis zum See?“, frage ich.

„Sieben Stunden. Vielleicht acht.“

Ich lege meine Hand auf seine. Auf dem Schalthebel. Wie beim letzten Mal.

„Dann erzähl mir was“, sage ich. „Egal was.“

Er schaut mich an. Kurz, aber lange genug. In seinen Augen liegt etwas Neues. Nicht das Verlangen von vorher. Etwas Ruhigeres. Etwas, das aussieht wie der Anfang von etwas, das größer ist als eine Woche am See.

„Was willst du hören?“

Alles, denke ich. Ich will alles hören. Alles wissen. Alles spüren.

„Erzähl mir von Kira“, sage ich.

Seine Hand unter meiner wird kurz starr. Ein Moment. Dann entspannt sie sich wieder.

„Woher weißt du von Kira?“

„Du hast den Namen einmal gesagt. Im Schlaf. In Split.“

Stille. Die Straße. Das Motorengeräusch. Sein Kiefer, der sich anspannt.

„Nicht jetzt“, sagt er leise. „Aber bald.“

„Okay.“

Ich drücke seine Hand. Er drückt zurück. Die Straße wird schmaler. Die Berge kommen näher.

Bald ist gut genug. Für jetzt.

Die Autobahn frisst Kilometer. Kroatien wird zu Slowenien. Slowenien wird zu Österreich. Die Landschaft verändert sich – Küste wird zu Hügeln, Hügel zu Bergen. Mit jedem Kilometer wird die Luft kühler. Klarer. Vertrauter.

Wir reden. Nicht über Kira. Über andere Dinge. Über seine Kindheit – aufgewachsen in Kärnten, der Vater Architekt, die Mutter Italienerin, die Küche immer voller Gerüche, die Berge immer vor dem Fenster. Über seine Entscheidung, Architekt zu werden. „Ich wollte verstehen, wie Räume funktionieren. Warum manche Räume sich wie Zuhause anfühlen. Andere nicht.“

Über meine Kindheit – aufgewachsen in Hannover, Einzelkind, Eltern geschieden, der Vater irgendwo in Kanada. „Ich habe früh gelernt, dass Menschen gehen. Dass man sich auf Dinge verlassen muss statt auf Personen.“

„Was für Dinge?“

„Stifte. Farben. Linien auf Papier. Die bleiben, wo man sie hinlegt.“

Er sagt nichts dazu. Aber seine Hand dreht sich unter meiner um. Seine Finger verschränken sich mit meinen. Eine Antwort ohne Worte.

An einer Raststätte bei Villach kaufen wir Kaffee. Stehen auf dem Parkplatz. Die Berge um uns herum, grün, steil. Die Luft riecht nach Regen, der kommen wird.

„Ich muss dir etwas sagen“, sagt er. Hält seine Tasse mit beiden Händen. Schaut nicht mich an, sondern die Berge.

Mein Magen zieht sich zusammen.

„Du weißt von Johanna. Fast vier Jahre, und ich habe ihr diese Tür nie geöffnet.“ Pause. „Kira kam nach ihr. Kira war. Sie war meine Partnerin. Nicht nur Freundin. Partnerin. In allem.“ Er schluckt. „Im Zimmer. In einem Zimmer wie dem, das du gesehen hast. Sie war die Erste, mit der ich. offen war.“

Ich sage nichts. Warte.

„Es lief gut. Ein Jahr lang. Mehr als gut.“ Pause. „Und dann lief es nicht mehr gut. Ich bin zu weit gegangen. Nicht physisch. Sie hat nie das Safe Word benutzt. Aber danach hat sie gesagt.“ Er bricht ab.

„Was hat sie gesagt?“

„Dass ich krank bin.“ Leise. Tonlos. „Dass das, was ich will, nicht normal ist. Dass sie Angst hat.“

Ich spüre, wie sich etwas in mir zusammenzieht. Nicht Angst. Mitgefühl. Der Schmerz eines Menschen, dem gesagt wurde, dass seine tiefste Wahrheit falsch ist.

„Du bist nicht krank“, sage ich.

Er sieht mich an. In seinen Augen liegt etwas Rohes. Offenes. Verletzliches. Etwas, das er sonst hinter seinem Schweigen versteckt.

„Woher weißt du das?“

„Weil ich bei dir zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, dass jemand mich SIEHT. Nicht die Oberfläche. Mich. Und das kann kein kranker Mensch.“

Es ist still, nur der Wind streicht über den Parkplatz, und irgendwo auf dem Dach der Raststätte sitzt eine Krähe und beobachtet uns mit schräg gelegtem Kopf.

Er stellt seinen Kaffee ab. Nimmt mein Gesicht in beide Hände. Küsst mich. Langsam. Zärtlich. Auf einem Parkplatz bei Villach, zwischen LKWs und Familienvans.

„Danke“, flüstert er gegen meine Lippen.

Ich lege meine Hände auf seine. Halte sie dort, an meinem Gesicht.

„Erzähl mir den Rest am See“, sage ich.

„Am See.“

Wir steigen ein. Fahren weiter. Die Berge werden höher. Die Straße wird schmaler. Und irgendwo hinter der letzten Serpentine, als das Tal sich öffnet und der See auftaucht – türkis, still, wie ein Spiegel, der Himmel und Erde verbindet –, lege ich meine Hand auf sein Knie.

„Wir sind da“, sage ich.

Er sieht den See. Sieht das Haus. Sieht mich.

„Wir sind da“, sagt er. Aber er meint nicht den Ort.

Das Haus hat auf uns gewartet.

Es klingt kitschig. Ist es auch. Aber als John die Tür aufschließt und der Geruch uns entgegenkommt – Holz, Lavendel, der feine Hauch von Kaminrauch, der sich in die Wände gefressen hat –, fühlt es sich genau so an. Als hätte das Haus gewusst, dass wir zurückkommen.

Zuhause, denke ich. Dabei ist mein Zuhause in Berlin – eine Einzimmerwohnung und Luna, die gerade von meiner Nachbarin gefüttert wird. Aber dieses Haus ist wie ein Wesen. Es atmet. Es erinnert sich.

Die Küche sieht aus wie vor fünf Tagen. Die Kräutertöpfe. Der handgehauene Kaminsims. Die Patchwork-Decke, die seine Großmutter genäht hat. Ich berühre die Wand im Flur, die Stelle, wo das Holz eine Kerbe hat. Von was, weiß ich nicht. Einer Geschichte, die das Haus kennt, aber nicht erzählt.

„Ich mache den Kamin an“, sagt John.

„Es ist Juli.“

„Und?“

Er hat recht. Am Bergsee wird es abends kühl, selbst im Sommer. Die Luft kühlt ab, sobald die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet. Und außerdem: der Kamin. Das Licht. Die Wärme. Das Knistern. All das gehört zu diesem Haus wie der See zum Tal.

Ich trage unsere Taschen nach oben. Diesmal nicht ins Gästezimmer. Diesmal in sein Zimmer. Ich stelle meine Tasche neben seine. Zwei Taschen nebeneinander, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Ist es das?

Ich öffne das Fenster. Der See liegt da, still, die Oberfläche wie Glas. Die Berge spiegeln sich darin, umgekehrt, wie eine zweite Welt unter der unseren. Die Luft schmeckt nach Wasser, nach Harz, nach dem Abend, der kommt.

Unten höre ich John in der Küche. Schubladen. Gläser. Das vertraute Klirren einer Weinflasche. Er kennt dieses Haus mit geschlossenen Augen. Jede Schublade, jede Stufe, jedes Knarzen. Es ist sein Ort. Und er teilt ihn mit mir.

Ich gehe runter. Er steht am Herd. Nicht kochen, noch nicht. Er hält zwei Gläser Wein in der Hand. Reicht mir eins.

„Auf was trinken wir?“, frage ich.

„Auf die Rückkehr.“

Wir stoßen an. Der Klang des Glases ist hell in der stillen Küche. Der Wein ist rot, trocken, schmeckt nach Sonne.

„John?“

„Hm?“

„Ich bin froh, dass wir zurückgekommen sind.“

Er stellt sein Glas ab. Nimmt meins aus meiner Hand. Stellt es neben seins. Dann legt er seine Hände auf meine Hüften. Langsam. Achtsam. Als würde er mich fragen, ohne ein Wort zu sagen.

Ich lege meine Hände auf seine Brust. Spüre seinen Herzschlag. Schneller als sonst. Er ist nervös. John Hartmann, der Mann, der an Felswänden hängt, alte Häuser restauriert, mich mit Seilen fesselt – ist nervös.

„Warum bist du nervös?“, frage ich.

„Weil beim letzten Mal alles zufällig war. Die Mitfahrgelegenheit. Der See. Du.“ Er schluckt. „Diesmal ist es eine Entscheidung. Und Entscheidungen machen mir mehr Angst als Zufälle.“

Ich stelle mich auf die Zehenspitzen. Küsse sein Kinn. Seine Wange. Den Rand seiner Lippen.

„Gute Angst oder schlechte Angst?“

„Die beste Angst meines Lebens.“

Ich lächle. Er lächelt. Das Grübchen. Und dann küsst er mich, richtig, tief, mit beiden Händen in meinem Haar, und der Wein wird kalt auf der Theke, und der Kamin knistert im Wohnzimmer, und draußen versinkt die Sonne hinter den Bergen.

Wir schaffen es nicht bis zum Abendessen. Nicht einmal bis zur Couch. Die Küchenwand. Seine Hände. Mein Atem. Das Knarzen des alten Holzes unter unseren Füßen.

Später – viel später – liegen wir im Bett. Sein Bett. Unser Bett, denke ich, und korrigiere mich nicht. Das Fenster steht offen. Der See atmet. Die Grillen singen.

„Morgen“, sage ich.

„Morgen.“

„Erzähl mir von Kira. Von allem.“

Stille. Sein Arm um mich. Sein Daumen zeichnet Kreise auf meine Schulter.

„Morgen“, sagt er.

Ich schließe die Augen. Spüre seinen Herzschlag. Gleichmäßig jetzt. Ruhig. Ein Rhythmus, den ich lerne. An den ich mich gewöhne.

Erst Gewohnheit. Dann Zuneigung. Ist das nicht bei den meisten Dingen so?

Ja. Ja, das ist es.

Ich liege noch wach, als sein Atem regelmäßig wird. Tief, gleichmäßig. Er schläft. Sein Gesicht im Mondlicht ist entspannt. Weich. Ohne die Kontrolle, die er tagsüber trägt wie einen Panzer.

Ich denke an Kira. An eine Frau, die ich nie getroffen habe. Die ihm gesagt hat, er sei krank. Die das genommen hat, was er am meisten braucht – gesehen zu werden, so wie er ist –, und es zerbrochen hat.

Ich werde das nicht tun. Der Gedanke ist klar. Ruhig. Entschieden. Ich werde alles nehmen, was er mir zeigt. Alles halten. Nichts zerbrechen.

Der See draußen liegt still. Der Mond steht über den Bergen. Die Grillen singen leiser jetzt, als würden auch sie einschlafen.

Ich schließe die Augen. Morgen wird er mir erzählen. Morgen werde ich zuhören. Morgen werden wir da weitermachen, wo wir aufgehört haben.

Aber heute Nacht gehört uns. Dem See. Dem Haus. Der Stille.

Ich drücke mich enger an ihn. Er murmelt etwas im Schlaf. Meinen Namen vielleicht. Oder etwas anderes. Ich höre nicht genau hin. Es reicht zu wissen, dass er da ist.

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